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Montpellier August 2025

Ausstellung & Lesung. 

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Es scheint in Südeuropa eine verkehrspolitische Verschwörung zu geben.
Die gleiche Quälerei mit dem Transporter wie in Barcelona – nur eben in viel kleinerem Maßstab. Aber man sollte den Teufel nicht dazu zwingen, zuzugeben, dass sein Paradies die Hölle ist. Ich kenne Montpellier länger als Hamburg. Aber wenn es eines Beweises bedarf, dass man etwas lange kennen kann ohne viel darüber zu wissen, dann ist es dieses Längenverhältnis. Und so mehr man sich vertraut fühlt, um so mehr irrt man sich.

Den Ausstellungsort kenne ich seit 7 Jahren, habe dort 2018 ausgestellt und den Weinkeller seit dem zig mal auf den neuesten Stand gebracht. Heimspiel für Laib und Leber also.
Der Galerist ist seit kurzem verheiratet und holt mit 3 Ehen beständig zu mir (4 Ehen) auf. Das ist aber nicht das Problem. Um seiner Frau den Anschein einer großzügigen Wohnung zu bieten, wurde radikal umgebaut und ein wesentlicher Teil der Ausstellungsfläche mit Wänden abgetrennt und zum Schlafzimmer (Vermehrungszimmer?) bestimmt. Das geht natürlich nur auf Kosten der restlichen Vorstellungsfläche. Und so bleibe ich auf einigen Bildern sitzen, die ich gerne gehängt hätte. Allerdings, so zu sagen zum Lastenausgleich,  wurde ein Teil des Weinkellers zur Ausstellungsfläche umfunktioniert. Und da der Gewölbekeller über 300 Jahre alt ist, relativiert sich mein Alter im Anblick der Weinflaschen gleich doppelt.
Wir trinken zum Einstieg einen 2014 im Barrique ausgebauten Viogne (Rebsorte) der seltsam köstlich daherkommt. Ein folgender 1990 Saumur (noch seltsamer) ist vollkommen perdu und ein weiterer Oldi aus dem Bordeux erreicht meine Lippen erst gar nicht.

Um 19 Uhr soll die Eröffnung sein aber ich bin im Kopf mit völlig anderem beschäftigt und überrascht, dass plötzlich Gäste vor mir stehen ( im Weinkeller ) und nach formloser Begrüßung zum Weinglas greifen. Super denke ich, der kein französisch spricht aber französische Weine liebt.  Es sollen aber im Laufe der Veranstaltung – vielleicht um die deutsch französische Freundschaft endgültig zu vernichten, Gedichte von mir auf deutsch und quasi simultan , auf französisch vorgetragen werden. Extra dafür ist meine französische Übersetzerin ( Michelle) aus der Bourgogne zum Vortragen angereist.

Weil im Weinkeller zu stickig und in der Galerie zu warm (über 30 Grad) setzen wir uns einfach draußen auf die schmale Straße, dort wo laue Luft unsere Wangen streichelt und sich mein hartes Deutsch im Geräusch der Häuserwände verliert.  Schnell begreifen die Franzosen dass ich ein Deutscher Dichter bin, die Übersetzung verschmeichelt nichts und dann (er)  findet man im  Vergleich Dao , Tao und sonst wen  von denen die zu unendlich weit weg sind um sie tatsächlich zu begreifen.
Wir hatten vor das Politische zu ignorieren. Geht aber leider nicht, seit sich einige Figuren so groß erscheinen, dass die wahre Größe unsichtbar wurde.
Bleibt noch die Vorsehung für das Sichtbare – die Götter bekommen kalte Füße und wandern aus.
Die Lesung endet im Wohlgefühl gegenseitiger Anerkennung und Respekt und wir wandern eine Straße weiter in ein Restaurant. Rasch werden Tische zusammen geschoben und gedeckt. Natürlich im Freien auf dem engen Gehweg der nahtlos in eine noch engere Fahrbahn ( Transporter ungeeignet)  übergeht. Ein paar Bäumchen säumen den Weg und vermitteln um diese Uhrzeit (22) in dieser mittelalterlichen Umgebung ein fast surreales Wohlgefühl. Zumal ein Gitarrist mit Stimmbegleitung die Atmosphäre mit seinen Balladen  ins melancholisch romantische trägt.
Es wird nicht französisch balladisiert und auch nicht spanisch. Einer meiner Tischgenossen meint Katalanisch und so sind wir im Hier und Jetzt im Überall.
Irgendwann und irgendwie nach Port Camargue zurück, trunken von dem was ist und was wir manchmal sein können. Glückliche Menschen.

Gerd Leins

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