Aber an diesem Tag, nach Entladung, brauche ich einen Parkplatz für meinen Transporter- und ich finde keinen. Parken in der Innenstadt ( unser Hotel haben wir cleverer Weise dort gebucht) ist quasi unmöglich- angemessene Parkplätze gibt es schlicht nicht ( zu klein, Parkhäuser Deckenhöhe zu niedrig). Verzweifelt fahre ich vor eine seltsam anmutendes Parkhaus vor, irre Deckenhöhe aber zu kurze Parkplätze. Die Lösung neben Trinkgeld: ich miete zwei Parkplätze. Weil ich völlig fertig bin und eine Gefahr für alle und alles im Parkhaus, bitte ich um Hilfe und der Mensch dort erbarmt sich meiner und parkt den Ducato grandios ein.
Jetzt bin ich ich und freue mich auf das was da kommen wird. Nach gutem Schlaf ( Zahn schmerzt immer noch) in aller Frühe ( 9.15 Uhr) Besichtigung von Gaudis Casa Batello ( Dan Dan will das) . Dort besichtigen so viele Chinesen, dass ich mich gleich wie zu Hause fühle. Gaudi ist so eine Sache, gerade auch mit seinem extrem religiösen Hintergrund. Aber: Es ist schon erstaunlich, wie viel der bei uns gehuldigte Hundertwasser schlichtweg von Gaudis Stil übernommen und als großartiges Selbst vermarktet hat- (geklaut?).
Zum Glück liegt Gaudí‘s Casa Batello nicht weit von meinem Ausstellungsort und es soll dort ab 11 Uhr aufgebaut werden. Normalerweise kenn ich das so: Arbeiten auspacken und mit oder ohne Hilfe aufhängen. Diesmal darf ich auspacken und vorschlagen, wo die Dinge aufgehängt werden. Lediglich die Anordnung draußen mit den 365 Menschenbilder Konzept
durfte Probehalber aufgebaut werden.
Die eigentliche Arbeit wird später von Mitarbeitern des Museums durchgeführt, bei der Eröffnung darf/ soll ich wieder dabei sein. Bin gespannt.
Highlight war das anschließende Essen im Restaurant. Als Mitglied, das ich ja jetzt bin – so wie Dali und Picasso ? – ein formidables 3 Gänge Menü einschließlich Wein und Wasser für 26 € . Der restliche Tag blieb sich selbst überlassen.
Wenn Probleme des Massentourismus diskutiert werden, kann ich hier ein Beispiel zusteuern. Unser Hotel ist eigentlich kein Hotel sondern eine ehemalige, riesige Altbauwohnung, die in Zimmer mit Sanitäranlagen umgebaut wurde. Nebenan die selbe Situation. Knapp 200€ pro Zimmer und Nacht. Im Haus gibt es noch Einwohner in privaten Wohnungen, die garantiert ihren Spaß mit uns Gästen haben.
Die Immobilienpreise sind entsprechend dieser Rendite gestiegen. Multipliziert man dieses Geschäftsmodell, dann zerstört man die gewachsenen (Wohn) Strukturen der Einheimischen und ersetzt sie durch Ertragsmodelle von Investoren. Irgendwann radikalisieren sich die Leute (nicht unbedingt politisch). In dem Zusammenhang (? ) von meinem Sohn ein neues Wort gelernt : „Mittelfingerlooserkampf“.
Nach einem mehr oder weniger gelungenen Frühstück/ Brunch ins Picasso Museum. Geballte Ladung dieses spanischen Heroen und nein, wenn ich auf einem Hocker gesessen hätte, dann hätte mich nichts von selbigen gerissen. Und die zwangsweise sehenden Gruppen von Schülern schauten nicht die Werke sondern sich selbst in ihrer pupertären Albernheit. Ein paar Häuser/ Paläste weiter eine andere Ausstellung: Contemporary Art. Teilweise KI generiert. Es laufen in einem Teil der Ausstellung irgendetwas auf Bildschirmen. Die jungen Leute stehen davor und begreifen das ( falls es etwas zu begreifen gibt). Ich schaue nach dem nicht vorhandenen Aus- Schalter und begreife, dass das auch der Ausschalter für uns Menschen sein könnte. The show must go on.
Wir besuchen meinen realen Ausstellungsort. Man ist mit der Hängung meiner Bilder fertig geworden und hat die Sache professionell gemacht. Soweit so gut und ich erfahre, dass ich eine Rede in englisch halten muss. Mein Englisch ist eine Offenbarung für alle, die mich schon immer für einen Fremsprachenlegastheniker gehalten haben.
Aber Gnade vor dem Herrn, ich darf auf deutsch und dann wird simultan ins internationale transformiert. Gerettet denke ich und meine Frau erzwingt einen Besuch im
ersten authentischen China Restaurant ohne chinesisch/englisch sprechenden Service. Zum Glück gibt es Fotos der Speisen auf die ich mit dem Finger zeigen kann. Also Gottes Fingerzeig für alle Sprachlosen dieser Welt und essenzielle Zukunft für die, die nichts mehr zu Sagen haben (wollen) aber ernährt werden müssen.
Aber, das Essen war gut und extrem günstig. In Barcelona’s Parkplatzwährung könnte ich hier für einen Tag parken zwei Wochen essen.
Zurück in das Hotel das eigentlich das Potemkinsche eines Hotels ist. Dort unter der Klimaanlage rasch erfrischt – um diese von Gaudi entworfene Kirche ( Sagrada Familia? ) zu besichtigen/ verinnerlichen.
Eintritt terminiert für 70€. Glauben funktioniert immer, es muss nur eben der rechte Glaube sein (bei uns zur Zeit die AFD).
Muss jetzt mit Lino eine Runde Kung Fu auf dem Bett kämpfen, damit ich weiss, wessen Zukunft er ist.
Danach in die Kirche. Erstaunlich freundliche Offenbarung im Land der spanischen Inquisition. So Lichtdurchflutet dass alle nach oben schauen. Wer mich kennt, der weiß, dass ich gerne nach unten schaue. Ich entdecke, dass im inneren Eingangsbereich die Bodenfliesen aus PVC sind- neudeutsch Vinyl. Weltreich der Chemie denke ich und zum Weltreich der anders Religiösen passen die auffällig vielen Chinesen in der Kirche, die neben Luis Vuitton eben auch unsere (christliche) Kultur konsumieren.
Aber alles gut, solange es sich rechnet und niemand auf dem Gescheitertenhaufen verbrannt wird.
Zurück im Hotel erfahre ich, dass meine Eröffnung morgen deutlich verspätet wird.
Gute Nacht!
Nach eher schlechter Nacht und Hotel Check out das Gepäck in den Transporter verbracht. Der dominiert das Parkhaus aber sonst nichts.
Wir bewegen uns in Richtung Ausstellung.
Übrigens:
Für Männer ist Barcelona die reinste Augenweide. Die Frauen hier tragen ihre Weiblichkeit sich ihrer so selbstbewusst in die Wahrnehmung, als wenn es keine Unverhältnismässigkeit zwischen den Geschlechtern geben könne. Vielleicht liegt es daran, dass hier in Spanien eine eindeutige Einverständniserklärung für Sex notwendig ist und Mann sich vorausschauend verhalten muss. Es lebe die Einsicht!
Am Ausstellungsort ist alles fertig bis auf die auf dem Boden liegenden 365 Menschenbilder. Denn es regnet ergiebig und ich bin froh am Vortag den Aufbau im Freien
für die Katalog Fotos erledigt zu haben.
Also warten wir in der Ausstellung auf Sonnenschein.
Mir zu Ehren gibt es Hamburger Wetter. Unerwartet kühl und mit Regen. Man bedankt sich bei mir und freut sich ob der Abkühlung.
Die Eröffnung warted mit einer Überraschung auf. Ein lange in Barcelona lebender Deutscher,
ehemaliger Korrespondent des deutschen Fernsehens?, übersetzt Rede und Antwort. Mir kommt nichts mehr spanisch vor und ja, nach dem ganzen Stress jetzt mit Spaßfaktor. Mein Kurator muss nach meiner Vorstellung ins Picasso Museum und ich habe mein nächstes Ausstellungsziel Schlüsselerlebnis.
Wir wollen zurück nach Frankreich ins Haus (ca. 385 km) und machen uns vom Acker. Beim Ausparken im Parkhaus klatschen die Leute, wohl weil sie nicht mitbekommen haben, dass ich die Wand initialisiert habe. Oder gerade deshalb. Rückfahrt flüssig und schnell bis kurz vorm Ziel. Vollsperrung nachts um 1 Uhr. Ein Motorradfahrer, wahrscheinlich wie üblich hier ohne Schutzkleidung und viel zu schnell unterwegs, hat das Zeitliche gesegnet. Man leuchtete den Unfallort aus und irgendwie haben Dutzende von Leuten was zu tun und Hunderte was zu erzählen.
Angekommen erschöpft ins Bett und nach traumloser Restnacht meine Ausstellung/ Barcelona Revue passieren lassen. Donnerstag nächste Woche wieder hin zum Abbauen. Bis dahin halte ich still.
Ausstellung Barcelona 2. Teil
Eigentlich sollte meine Ausstellung Freitag abgebaut werden. Zum Glück erfuhr ich rechtzeitig, dass man dort Freitag nur bis Mittag arbeitet. Besser den Abbau auf Donnerstag vorverlegen . Kein Problem, sagt die Ausstellungsleitung. Wer meinen ersten Bericht gelesen hat, der weiß um die Dimension des Verkehrschaos (erst recht für übergroße Transporter) dort.
Also halte ich es wie in meinen anderen Leben.
Rechne mit dem Schlimmsten und hoffe auf das Beste. Wobei das Beste in meinem Denken immer noch eine Option nach oben zu lässt.
Gut- besser- bestialisch.
Kann es sein, dass die KI, die für Google Maps arbeitet und ohne dass wir es wissen, gegen den Rest der Menschheit, zu beleidigen ist? (Habe böse Worte an ? gerichtet)
Jedenfalls weigerte sich diesmal dieses, was auch immer, halbwegs nutzbar zu sein. Und der Gipfel war (bestialisch) die Empfehlung für eine Straße, die mit parkenden Autos am Rande dermaßen schmal, für jeden Transporter unpassierbar geworden war. Ich hätte wenn, diesmal sicher Freundschaft mit Behörden geschlossen.
Okay, dann alte Schule. Da wir beim letzten Besuch in der Gegend viel zu Fuss unterwegs waren (dadurch einigermaßen Ortskenntnis) den Transporter zum Fußgänger erklärt und durch die Fußgängerzone gefahren. Das machten andere auch und die Bewältigung des Chaos hat in Barcelona einen Namen: Es lebe die Anarchie! Zufällig anwesende Polizisten erblindeten im Angesicht meiner fahrerischen Fähigkeiten. Mein Gott, wieviel Strafzettel hätte ich in Deutschland weniger bekommen, wenn die deutsche Polizei nicht nur auf dem rechten Auge blind wäre?
Abbau der Ausstellung und Verbringung in den Transporter ohne Probleme , ein zufällig anwesender Krimineller mit dem Prinzip Hoffnung – wurde von meinem spanischen Helfer auf spanisch seiner Hoffnung entraubt.
Die Ausfahrt diesmal fast ein Genuss.
Aber wer meinen Autofahrerwahn (Größenwahn ) kennt, der ahnt vielleicht was kommt. Auf der Hinfahrt gab es auf der Autobahn an der Grenze zu Frankreich einen ewig langen Stau ( Kontrolle möglicher Infiltration Resteuropas durch nicht genehmigungsfähige Völkerwanderung ) so dass ich alternativ den Weg über Figueras ( ja, da wo Dali mumifiziert) über die Küstenstraße ( ja , die über Serpentinen ) nach Frankreich wählte. Dieses Küstenstraße mit den Serpentinen ist natürlich die konstruktive Heimat eines Transporters, der von Gerd Leins chauffiert wird. Aber meine Schutzengel waren voll motiviert- damit ich diesen Unsinn schreiben kann- und so sind wir völlig problemlos in Port Camargue angekommen.
Heute Erholung – Frau und Kind sind müde ob der Erlebnisse- und morgen dann Ausstellungsaufbau
/ Eröffnung in Montpellier.
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